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20.11.2008


Boden unter den Füßen gewinnen

Leitartikel:


Kooperationspartner
Bedingungen, Hintergründe und Ziele
Schülerprojekte (Übersicht)
Präsentation

Schülerprojekte:


Landnutzungsänderung
Bodenversiegelung
Biotop oder Brache ? Die ?Noller Alm?
Erkundungsweg Boden
Renaturierung ?Noller Bachtal?

Download der Unterrichtsmaterialien [pdf, 2,2 MB]



Schülerprojekt: Renaturierung "Noller Bachtal"

Schülerpräsentation in der Projektwoche als Download (ppt)
 
Kapitel dieses Dokumentes
Inhalte und Ziele des Renaturierungsprojektes
Aufgabenstellung im Rahmen des Projektes ?Boden unter den Füßen gewinnen?
Ergebnisse
Bewertung / Zusammenfassung
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Inhalte und Ziele des Renaturierungsprojektes

Im Quellgebiet des Noller Baches wurden zwischen 1996 und 2000 verschiedene Renaturierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit jüngeren Schülergruppen aus Stadt und Landkreis durchgeführt. Zur Umsetzung des Projektes führten im Einzelnen die Erkenntnisse, dass

  1. die Forstnutzung durch Fichtenmonokultur in die Aue hinein und bis direkt an den Bachverlauf heran zwar früheren Vorstellungen von Waldnutzung entsprochen hat und überwiegend praktiziert wurde. Dennoch ist eine solche Nutzung nicht standortgerecht und wird bei heutigen Aufforstarbeiten vermieden. Des Weiteren sind Fichten auf Feuchtstandorten mit Grundwasserkontakt anfälliger und weniger sturmfest.
     

    Fichtenmonokultur


    Sturmschäden bei Fichten auf feuchten Standorten / Fichten als Flachwurzler

  2. in direkter Nähe des Quellbereiches ein Feuerlöschteich mittels eines aufgeschütteten Damms mit Überlauf aufgestaut worden ist. Damit bestand das Ökosystem Bach hier aus zwei abgeschnittenen, entkoppelten Bereichen, die ursprünglich miteinander als Einheit in Verbindung standen.
     

    Luftbilder aus dem Gebiet "Noller Bach - Tal" von 1938 (vor Löschteichbau) und 2002.

Als Maßnahmen wurde zunächst der Quellbereich vor dem Löschteich mit dem Oberlauf nach dem Löschteich durch ein neu geschaffenes künstliches Bachbett verbunden. Der Löschteich musste allerdings aus forstrechtlichen Vorgaben erhalten und weiterhin mit einem Teil der Frischwassers durchflossen bleiben. Das neue Bachbett folgt nicht dem ursprünglichen Verlauf, sondern wurde um die Böschung des Teiches herum gelegt. Im Anschluss wurden entlang dieses neuen Bachverlaufs und im Quellbereich oberhalb des Löschteiches Fichten gefällt und charakteristische Auenbäume wie z.B. Schwarzerle gepflanzt.

Die Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen erfolgte unter der Regie des Lernstandortes ?Noller Schlucht? in Zusammenarbeit mit 22 Schulen aus Osnabrück Stadt und Landkreis und mit Förderung durch die Bundesstiftung Umwelt. Als didaktischer Aspekt ist zu erwähnen, dass Grundschüler selbst die Arbeiten mit durchgeführt haben und die von ihnen gepflanzten Bäume mit Namen versehen haben, um sie später wiedererkennen zu können.
Vgl. hierzu: Umweltbildungsprojekt ?Renaturierung des Noller Bach-Tals?

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Aufgabenstellung im Rahmen des Projektes ?Boden unter den Füßen gewinnen?

Nach einer Einführung in die Hintergründe der Renaturierung sollte das Gebiet erkundet und die bisher abgeschlossenen Maßnahmen erkannt und zugeordnet werden. Aus den Beobachtungen ergab sich v.a. die Fragestellung, ob die geplanten Projektziele erreicht worden sind und welche gewünschten wie unerwünschten Folgen im Herbst 2005 sichtbar sind. Eine kritische Evaluation der Renaturierung wurde bis dato nicht durchgeführt und liegt im Interesse der Initiatoren, auch im Hinblick auf mögliche weitere Maßnamen.

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Ergebnisse

  1. Renaturierungsflächen
    Eine Begutachtung der Renaturierungsflächen zeigte deutlich, dass die standortgerechte Bepflanzung mit hoher Rate erfolgreich angewachsen ist. Sie bildet auflockernde Landschaftselemente in der ansonsten dominanten Fichtenmonokultur. Insbesondere der wesentlich intensivere Unterwuchs, welcher unter Fichten weitestgehend ausbleibt, zeugt von einer größeren Artenvielfalt, die sich im Zuge der Renaturierung eigenständig als Begleiterscheinende Sukzessionsvegetation herausgebildet hat. Es ist anzunehmen, dass dieser Anstieg an Biodiversität sich auch positiv auf die Bereiche der Fauna, Pilze und Mikroorganismen niederschlägt. Artenbestimmungen und deren Quantifizierungen könnten diesen Effekt stützen, sind aber in der vorliegenden Untersuchung ausgeblieben.
     

    Erlen mit Unterwuchs im renaturierten Bereich beim Löschteich
     
  2. Bachverlauf nach Löschteich
    Im Vergleich dazu wirkt der nicht renaturierte Bereich nach dem Löschteich eintönig und artenarm. Allerdings sind im Zusammenhang mit dem Löschteichbau deutliche und wahrscheinlich unbeabsichtigte Folgewirkungen aufgetreten: Eine flache Quellmulde, die seitlich aus nördlicher Richtung in den Bach führt, ist flächig durchnässt und mit Gras bestanden. Beim Eintreffen in den Bach nach verrohrtem Ausfluss aus dem Löschteich wird das Bachbett plötzlich erheblich tiefer. Fichten stehen bis direkt an das Bachbett, aber etwa 0,80 bis 1,20m über dem Wasserspiegel. Beprobungen mit dem Pürckhauer Bohrstock bestätigten den für Auen untypisch hohen Grundwasserabstand bei sehr trockenem Substrat an der Oberfläche. Offensichtlich ist es hier zu einer Tieferlegung des Bachbettes durch Erosion aufgrund erhöhter Fließgeschwindigkeiten nach dem Ausfluss gekommen.
     

    Durch Erosion abgesenkter Grundwasserabstand nach Ausfluss aus Löschteich
     

    Von einer Renaturierung in diesen Bereichen unterhalb des Löschteiches muss bei zukünftigen Projektplanungen abgeraten werden, da diese nicht den Erfolg der o.g. Arbeiten vor dem Löschteich erwarten lassen.
     
  3. Bachumlegung
    Die Eintiefung des Baches nach Ausfluss aus dem Löschteich bleib auch nicht folgenlos für den umgelegten Bachbereich. Das ehemals gleichmäßige Gefälle dieses im Zusammenhang mit der Renaturierung angelegten Verbindungsstückes schafft zwar ein ökologisch vorteilhafteres barrierefreies Fließgewässer, jedoch konnte eine Verlagerung der Eintiefung in diesen neu geschaffenen Bachverlauf festgestellt werden. Diese sog. ?rückschreitende Erosion? erfolgt in drei etwa Dezimeter hohen Hauptstufen mit erhöhter Fließgeschwindigkeit. Die Zurückverlagerung hat zum Messzeitpunkt Nov. 2005 bereits die Hälfte der verlagerten Bachstrecke erfasst, so dass bei kontinuierlichem Fortgang das Erreichen der ersten renaturierten Fläche in etwa 16 Jahren prognostiziert werden kann. Von einer Grundwasserabsenkung würden die angepflanzten Erlenbestände nachteilig beeinflusst, und diese werden voraussichtlich in 30 Jahren nicht mehr als standortgerecht anzusprechen sein.
     

    Stufen- Kaskadenbildung durch rückschreitende Erosion im neu verlegten Bachbereich
     
     
    Übersichtskarte der Umgebung Beachverlegung / Renaturierung / Löschteich
     
  4. top

    Bewertung / Zusammenfassung

    Eingriffe des Menschen in Ökosysteme sind i.d.R. sehr nachhaltig. Versuche, diese Eingriffe wieder rückgängig machen zu wollen, stellen wiederum andere Eingriffe in den Naturraum dar. Sie zeigen oft nur begrenzten Erfolg und bestätigen die irreversiblen Folgen des menschlichen Handelns.


    DR. GISBERT DÖPKE (GIDW)

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